Die Präses der Jungwacht Küssnacht

„So ein Engagement ist gerade in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit!“

Conny Weyermann ist die neue Präses der Jungwacht Küssnacht.  Der FS hat die zweifache Mutter und Katechetin zum Gespräch über ihre neue Aufgabe getroffen.

Interview von Matthias Büeler

Sie sind die neue Präses der Jungwacht Küssnacht. Wie sind Sie zu diesem Amt gekommen?
Leider hat die Jungwacht seit einiger Zeit keinen Präses mehr. Ich wurde kurzerhand  vom Kirchenrat angefragt, ob ich diese Aufgabe übernehmen wolle. Zuerst hatte ich schon ein bisschen Respekt, da die Jungwacht ein rein männlicher Verein ist. Da ich aber selbst Mutter von zwei Söhnen bin, traue ich mir auch die Jungwacht zu (schmunzelt).

Sie sprechen es an: Sie sind die wahrscheinlich erste Frau in der 76 jährigen Geschichte der Jungwacht. Ist ihr Geschlecht ein Vor- oder Nachteil?
Von mir aus gesehen ist mein Geschlecht kein Nachteil. Und da die Jungwachtleiter zu meiner Person ja gesagt haben, nehme ich an, für den Verein auch nicht. Gerade für die jüngeren Jungwächtler könnte es sogar eher ein Vorteil sein.  Wenn mal jemand im Lager Heimweh hat, bin ich da und kann trösten.

Was lief den in der Zeit zwischen dem letzten Präses und Ihnen?
Pfarrer Werner Fleischmann hat wenn möglich, neben seiner Präsesfunktion beim Blauring, auch noch zu der Jungwacht geschaut. Er war unterstützend und besuchte auch immer das Lager. Für ihn war das aber ziemlich stressig, sich ständig zwischen Blauring und Jungwacht bewegen zu müssen.

Was für eine Funktion hat den eigentlich der oder die Präses?
Einerseits bin ich das Bindeglied zwischen der Jungwacht und der Pfarrei, welche den Verein unterstützt. Andererseits ist es für mich eine Art Coach Funktion. Wenn an einem Leiterhock also etwas besprochen wird, kann ich beispielsweise Inputs geben. Und ich glaube das kann durchaus wertvoll sein für die Jungwacht. Mein Alter gibt mir eine gewisse Erfahrung  und so kann ich mit Rat und Tat helfen wo Hilfe gebraucht wird.

Wie viel werden sie als Präses im Einsatz stehen?
Das ist noch schwer zu sagen. Ich werde sicher an alle möglichen Leiterhocks kommen und meine Aufgabe als Präses gleich gewichten, wie alle anderen Aufgaben in der Pfarrei auch. Eigentlich will ich, wann immer der Verein mich dabei haben will, zur Stelle sein aber ohne mich aufzudrängen.

Haben sie denn einen persönlichen Bezug zur Jungwacht?
Ich selbst war als Mädchen im Blauring und mein Bruder in der Jungwacht. Ich besuchte meinen Bruder oft im Lager und ich fand es toll, dass sie in Zelten übernachteten. Wir Mädchen waren immer in Häusern, was durchaus praktisch ist aber es war irgendwie immer lustiger und chaotischer in der Jungwacht. Ich bin so oder so eine richtige Lagertante, also gar nicht zimperlich. Ich glaube gerade die Jungwacht braucht einen Präses, der kein Problem damit hat, wenn’s einmal ein bisschen dreckiger wird und vielleicht auch etwas rauer zu und her geht.

Wo sehen Sie denn ihre Stärken als Präses?
Persönlich mag ich die Art von Jungs einfach. Ich kann gut mit Jungs umgehen, nicht zuletzt weil ich selbst zwei Söhne habe. Daher hab ich das Privileg auf gleicher Stufe mit den Jungwächtlern zu agieren und wenn ich das nicht könnte, hätte ich bereits verloren. Zudem bin ich ziemlich unkompliziert, darf von mir behaupten, dass ich ein grosses Herz habe und Kinder egal in welchem Alter mag.

Gibt es auch Schwächen?
Das kann ich leider noch nicht sagen. Ich lasse es auf mich zukommen und werde diese Frage wohl erst dann beantworten können.

Was läuft ihrer Meinung nach gut in der Jungwacht Küssnacht?
Die Jungwacht funktioniert sehr gut! Vor Allem im Leiterteam gibt es hervorragende Persönlichkeiten. Wenn ich mir vorstelle, was diese jungen Männer alles auf die Beine stellen… nur schon das Heimfest mit allem drum und dran, das ist einfach grandiose  Arbeit. So ein Engagement ist gerade in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit!

Wo sehen sind denn die Schwachstellen?
Was ich schon vermehrt von Eltern gehört habe, ist der eher hapernde Informationsfluss als negativer Punkt. Heute ist man vielleicht als Mutter noch ein Stückchen vorsichtiger, man hat noch mehr Angst, dass dem jungen Burschen etwas zustossen könnte. Darum will man Informationen und mit besseren Informationen wird auch bessere Sicherheit gegeben, was sich gerade auf die Teilnehmerzahlen im Sommerlager positiv auswirken könnte.

Werden Sie persönlich am Lagerleben teilnehmen?
Das kommt ganz aufs Wetter an (lacht), nein! Ich werde bestimmt drei bis vier Tage im Lager anwesend sein und mich beteiligen. Mir ist wichtig, dass ich direkt am Geschehen sein kann.

Conny Weyermann (48) ist in Schwyz aufgewachsen und lebt in Sins. Sie ist Mutter zweier Söhne, ausgebildete Katechetin und arbeitet als pastorale Mitarbeiterin bei der katholischen Kirche Küssnacht.